Was passiert, wenn bekannte Musik plötzlich ganz anders klingt? Genau dieser Frage geht das aktuelle Programm des Bremer Schlagzeugensembles nach. Olaf Tzschoppe hat sämtliche Werke des Programms für Stabspiele und kleines Schlagzeug bearbeitet und eröffnet damit eine neue Perspektive auf Musik von Maurice Ravel, Claude Debussy, Arvo Pärt und Peter Klatzow.
Im Mittelpunkt steht Arvo Pärts ›Fratres‹ aus dem Jahr 1977. Der Titel bedeutet „Brüder“ und verweist auf die besondere Struktur des Werkes: Ein wiederkehrendes musikalisches Gerüst verbindet unterschiedliche Klanggestalten miteinander. Pärt entwickelte für ›Fratres‹ seinen charakteristischen Tintinnabuli-Stil – eine Musik, die mit wenigen, klaren Mitteln eine erstaunliche klangliche Tiefe erzeugt.
Gerade weil ›Fratres‹ nicht an eine bestimmte Instrumentalfarbe gebunden ist, lässt sich das Werk immer wieder neu entdecken. In der Bearbeitung für Stabspiele und Schlagzeug bekommt es einen schwebenden, zugleich klar konturierten Klang. Marimba und Vibraphon jeweils mit kleinem Schlagwerk lassen einzelne Töne lange nachklingen und schaffen Räume zwischen den Klängen. Das kleine Schlagzeug setzt dazu rhythmische Akzente und bringt eine zusätzliche, körperliche Dimension ins Spiel.
Auch die Werke von Ravel, Debussy und Klatzow gewinnen durch diese ungewöhnliche Besetzung eine neue Farbigkeit. Was ursprünglich für andere Instrumente gedacht wurde, erscheint plötzlich aus einer anderen Perspektive: vertraute Melodien, Harmonien und musikalische Gesten werden hörbar, aber ihre Klanggestalt verändert sich.
Vielleicht liegt genau darin der besondere Reiz dieses Programms: Es geht nicht darum, bekannte Werke einfach auf andere Instrumente zu übertragen. Vielmehr entsteht durch die Bearbeitungen ein Dialog zwischen Komposition und Klangfarbe. Bekanntes wird fremd, Fremdes vertraut – und Musik, die man vielleicht schon einmal gehört hat, lädt dazu ein, noch einmal ganz neu hinzuhören.
›Fratres‹ wird dabei zum Ausgangspunkt einer musikalischen Reise, bei der vier Komponisten und unterschiedliche musikalische Welten durch die Klangsprache des Schlagzeugs miteinander verbunden werden.

Do 22.10.2026 | 19:00
„Fratres“ Musik in neuen Klangfarben,

St. Petri Dom