Steve Reich zum 90. Geburtstag
Wie verändert sich Musik über die Jahrhunderte – und was verbindet Komponisten, die scheinbar Welten voneinander entfernt sind? Diesen Fragen widmet sich das Bremer Schlagzeugensemble in seinem Programm „Vom Bauen, Malen und Wiederholen in der Musik“, das zugleich eine Hommage an Steve Reich zu seinem 90. Geburtstag darstellt.
Das Konzert führt durch drei Jahrhunderte Musikgeschichte und eröffnet dabei faszinierende Perspektiven auf Klang, Zeit und musikalisches Denken. Den Auftakt bildet Johann Sebastian Bachs 5. Brandenburgisches Konzert in einer Bearbeitung für Mallet Quartett von Olaf Tzschoppe. Die klare Architektur der Musik, ihre lebendigen Dialoge und die ausgewogene Balance zwischen Bewegung und Ruhe zeigen Bach als Meister musikalischer Konstruktion. Für diese Fassung wurde zudem eine neue Kadenz geschaffen, die dem Werk einen besonderen Akzent verleiht.
Mit Claude Debussys Six Épigraphes antiques wechselt die Perspektive. Die Musik entfaltet schillernde Klangfarben, zarte Harmonien und poetische Stimmungen. In der Bearbeitung für Mallet Quartett entstehen neue klangliche Nuancen, die Debussys impressionistische Klangwelt besonders eindrucksvoll zur Geltung bringen. Hier scheint die Musik weniger gebaut als vielmehr gemalt zu sein – voller Licht, Schatten und feiner Übergänge.
Den Abschluss bildet Steve Reichs Mallet Quartet aus dem Jahr 2009. Reich zählt zu den bedeutendsten Vertretern der musikalischen Minimal Music. Wiederholungen, pulsierende Rhythmen und kleinste Veränderungen prägen seine Klangsprache. Was zunächst einfach erscheint, entwickelt eine erstaunliche Sogwirkung: Aus Wiederholung entsteht Bewegung, aus Bewegung Spannung, aus Spannung ein nahezu meditativer Hörraum.
Gemeinsam zeichnen die drei Werke einen Bogen von der barocken Formkunst über die impressionistische Klangmalerei bis zur minimalistischen Gegenwart. Die Klänge dieses Konzertes verbinden Stille, Farbe und feine, fließende Veränderungen zu einem gemeinsamen Hörerlebnis, das von klarer Ruhe bis zu nachdenklichen Klangfarben reicht. So entsteht ein Programm, das nicht nur Musikgeschichte hörbar macht, sondern auch zeigt, wie unterschiedlich Komponisten mit den grundlegenden Elementen von Klang, Zeit und Struktur umgehen – und wie überraschend nah sie sich dabei kommen können.
Do 08.10.2026 | 20:00
„Vom Bauen, Malen und Wiederholen“ Steve Reich zum 90.,
Forumskirche St. Peter, Oldenburg
So 04.10.2026 | 17:00
„Vom Bauen, Malen und Wiederholen“ Steve Reich zum 90.,
St. Ansgarii, Bremen
So 20.09.2026 | 19:00
„Vom Bauen, Malen und Wiederholen“ Steve Reich zum 90.,
St. Willehadi, Osterholz-Scharmbeck
